29. September 2012 in der Peter-Räuber Schule

Inklusive Bildung gestalten - Erfahrungen aus der Praxis

 

Als Referenten hatten wir den Bildungsexperten Wilfried W. Steinert eingeladen. Steinert setzt sich seit langem für gemeinsames Lernen ein. Er leitete von 2002 bis 2010 die „Waldhofschule – Eine Schule für alle“ in Templin - ein bundesweit anerkanntes (Vorzeige-)Modell einer inklusiven Schule.

 

Die 2009 von Deutschland unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention fordert ein inklusives Bildungssystem. Dies bedeutet einen uneingeschränkten Zugang und die unbedingte Zugehörigkeit aller Kinder zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes. Von der Sache her wird die inklusive Schule eine große Herausforderung, es gilt die Verschiedenheit der Kinder als Chance und Bereicherung zu verstehen. Kann die Chance genutzt werden? Wie kann Inklusion gelingen, wie kann man das Tag für Tag hinbekommen?

 

Anhand konkreter Beispiele und Filmsequenzen, u.a. aus der Waldhofschule, zeigte Steinert den ca. 100 Pädagogen, pädagogischen Mitarbeitern, Eltern, Schulsozial-arbeitern und Schulbegleitern Wege auf, wie inklusive Bildung gestaltet werden kann.

 

Dies erfordere zunächst einen  doppelten Paradigmenwechsel. Stand bisher die Schulfähigkeit und Schulwahl im Vordergrund, so laute die Frage in einer inklusiven Schule:  Welche Rahmenbedingungen müssen wir schaffen, damit dieses Kind an dieser Schule die optimalen Lernbedingungen bekommt?

Der zweite Paradigmenwechsel:  Sonderpädagogik hat durch separate Beschulung die Bildungsfähigkeit aller Schülerinnen und Schüler aufgezeigt. Nun gelte es, diese hohe sonderpädagogische Kompetenz für die allgemeine Schule und damit für alle Schüler fruchtbar zu machen!

 

Steinert erläuterte anschließend welche grundsätzlichen Veränderungen der praktische Unterricht in einer inklusiven Schule erfordert.  Er ging dabei insbesondere auf angemessene Unterrichtsformen, Lern- und Entwicklungspläne, Leistungsbewertungen und die Arbeit in multiprofessionellen Teams ein. Es würde gemeinsames Lernen am gleichen Gegenstand auf unterschiedlichen Niveaustufen möglich - diese Vielfalt belebe den gemeinsamen Unterricht. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt  könne schon vieles mit Hilfe vorhandener Ressourcen umgesetzt werden.

 

 

"ANGEMESSENE UNTERRICHTSFORMEN FÜR EINE INKLUSIVE SCHULE:

 

Drastische Reduzierung von Frontalunterricht

Fächerverbindende und übergreifende Projekte

Schüler lernen mit Schülern

Projektwochen

Freitags „ohne Stundenplan“

Lebenspraktischer Unterricht

Wochenplanarbeit (keine Hausaufgaben)

Lernlandschaften als Chance zum selbstgesteuerten, entdeckenden Lernen"

(Referat Wilfried W. Steinert: Unterrichtsformen und Unterrichtsbeispiele)

 

In zahlreichen, positiven Rückmel-dungen bestätigten die Teilnehmer Herrn Steinert die ( einmalige! ) Praxisnähe des Tagesseminars. Die Veranstaltung, die mit dem Zitat des Bundesbehindertenbeauftragten Hubert Hüppe begann:

 

 

"WER INKLUSION WILL,

SUCHT NACH WEGEN,

WER INKLUSION VERHINDERN WILL,

SUCHT NACH BEGRÜNDUNGEN."

 

machte im Laufe des Tages vielen Teilnehmern deutlich, wie wichtig bei der Suche nach neuen Wegen die Initiative, das Mitwirken und die Verantwortlichkeit aller Beteiligten ist.

 

 

"INKLUSION VERÄNDERT DIE SCHULE…

 

Zu Anfang bezeichnen viele den Weg der Inklusion als unmöglich. Es bestehen Ängste vor ausufernder Heterogenität. Es wird Fehler und Irrtümer auf dem Weg geben. Wir müssen aufpassen, dass diese nicht auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen werden. Aber: Wenn für unsere Kinder gilt, dass man aus Fehlern lernen kann, machen wir es ihnen vor: Aus Fehlern lernen!" (Referat Wilfried W. Steinert: Pädagogik der Inklusion)